Worte für den Tag | Dienstag, 3. April 2018

Jetzt ist die Zeit der Ostermärsche. Die Zahl der unermüdlich Protestierenden für den Frieden nimmt dabei stetig ab. Man hat sich eingerichtet in dieser Welt. Aber:

Jesus war kein geduldiger Mensch. Er wollte die Welt und die Menschen verändern – und er wollte das jetzt und gründlich und schnell. Hartnäckigkeit ist eine Tugend, die Jesus immer wieder lobt und hervorhebt. Wer glaubt, der bittet, der fleht, der klopft an, sagt Jesus. Wer glaubt, verkauft alles für eine kostbare Perle und geht das maximale Risiko ein. Wer glaubt ist wie die bittende Witwe, die dem Richter so lange auf die Nerven geht, bis der ihr zu ihrem Recht verhilft.

Ja: Glaubende können auf die Nerven gehen – das ist anstrengend für die anderen, auch anstrengend für die Glaubenden selbst. Wer voller Ungeduld die Welt verändern will und für Gerechtigkeit eintritt, der droht dabei müde zu werden, auszubrennen, leer zu werden…Du lass dich nicht verhärten, singt Wolf Biermann darum in seinem Lied „Ermutigung“. Auch Jesus ermutigt seine Leute mit dem Versprechen: Selig sind, die da hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden!


Resignation und Verhärtung sind Feinde des Glaubens. Die unendlichen vielen Schritte, die für eine Verbesserung der Verhältnisse nötig sind, können zermürben. Rückschläge können einen zur Verzweiflung treiben. Jesus weiß das, er erlebt es selbst. Manchmal kann er die Menschen nicht mehr sehen und zieht sich zurück oder schüttelt den Staub von den Kleidern und zieht einfach weiter.

Und doch, sagt Jesus, und doch ist es richtig, mit Hartnäckigkeit und Ungeduld nach Gottes Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten. Oh nein, Jesus will kein stilles Sehnen oder zartes Hoffen, er will kämpfen für das Reich Gottes, nicht bloß diskurtieren. Und: Er will Menschen, die dafür kämpfen, nicht Kriege führen! Wir haben in Mitteleuropa diese Lektion gelernt. Fanatismus ist unser Problem heute nicht mehr. Eher die Frage, ob unser Glaube stark genug ist, ob wir vielleicht müde geworden sind im Einsatz für Gerechtigkeit, ob wir zu wenig Hoffnung haben und nicht genug Vertrauen wagen.

Jesus war kein geduldiger Mensch und der Heilige Geist ist nicht pessimistisch. Er ist mit denen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Jesus preist sie selig und verspricht: Sie sollen satt werden!