Abendsegen | Sonntag, 14. März 2021

Am 14 März 2020 meldete die Abendschau: „ Nachfrage in Supermärkten – Keine Engpässe“ und „Wie lange bleiben die Schulen zu und wo?“ Das ist ein Jahr her…Und heute?

Ein Gebet nach einem Jahr Corona
Gott, du weißt, was uns bewegt: Wir haben uns daran gewöhnt,
einander auf Abstand zu grüßen, aber wir sehnen uns nach
einem Händedruck, nach einer Umarmung.
Wir nähren uns von guten Worten und von der Musik, aber wünschen
uns so sehr wieder miteinander singen und beten und feiern zu können!
Obwohl wir einsichtig sind und alles befolgen, was dem Schutz des
Lebens dient, rebellieren wir zugleich gegen die Beschränkungen,,
wollen das Leben zurück, das wir kennen, wollen reisen und zusammen sein.
Du Liebhaber des Lebens, gib uns deinen Geist, der tröstet, verbindet und Neues schafft.“

Der Herr segne und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Er erhebe sein Ansicht zu Dir und schenke dir Frieden!

Quelle: Mit Motiven aus: reformiert-info.de – Gebete, Sylvia Bukowski, Gib uns deinen Geist, der tröstet, verbindet und Neues schafft.

Abendsegen | Sonnabend, 13. März 2021

Es wird mehr gelesen, sagt die befreundete Buchhändlerin. Der Bücherkenner Peter von Matt empfiehlt, bevor wir uns alle voreinander verschließen, ein Gedicht: Die Schlüssel, und sagt vorweg: „Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des menschlichen Seelenlebens, dass man Schlüssel nicht wegwerfen kann. Schlüssel sind… gesellige Wesen. Sie versammeln sich zu Bünden. Versenkt man sie in der Rocktasche, ruinieren sie das Futter. Lautlos liegen sie in einem Schubfach und es werden da immer mehr. (Eine) Magie schützt die Unbrauchbaren vor dem Verlorengehen, während sich die Unentbehrlichen gerne aus dem Staub machen.“

Die Schlüssel
Beim Aufräumen des Schuppens fand ich ein Kästchen alter Schlüssel…
Jeder träumte von einer Tür in einem anderen Jahrhundert…Einer passte in ein liebesmüdes Herz. Sie konnten Bismarck gekannt haben oder Fontane oder ein Fräulein in einem Roman, der nicht gut ausging. Da sie kein Schloss mehr nehmen wollte, legte ich sie vorsichtig zurück. Das Haus atmete erleichtert auf.

Unser Vater, wir bitten um deinen Segen, lass uns auch in den Einschlafgedanken aufgeschlossene Menschen füreinander bleiben

Quelle: Peter von Matt, Wörterleuchten, Hanser Verlag München 2009, 200f.

Abendsegen | Freitag, 12. März 2021

Ein Palast ist ein großes Bauwerk aus kostbarem Stein, edlem Holz, feinem Glas. Der Schabbat, der Ruhetag in der jüdischen Gemeinde, wird auch Palast genannt, aber ein Palast in der Zeit. Und die kostbaren Steine, das edle Holz, die schönen Glasfenster sind die Lieder, die Gebete, die Lesungen – das vorzügliche Festessen nicht zu vergessen. Jetzt ist Schabbat-Abend, ich lese Verse aus Psalm 17 in der Übersetzung meines Berliner Kollegen Lorenz Wilkens:

„Herr der Gerechtigkeit, du prüfst mein Herz, du suchst es heim zur Nacht,
hast es geläutert, von mir kommt kein Unrecht mehr. Ich rufe, Herr, zu dir,
denn du wirst mich erhören. Neige dein Ohr zu mir und höre auf das, was ich sage!
Zeige, du Retter, deine Liebe allen, die sich bergen in deiner rechten Hand
vor denen, die sich auflehnen! Und hüte mich wie einen Augapfel !
Birg mich im Schatten deiner Flügel vor den Gesetzlosen, vor den Feinden,
welche mich umzingeln. In Fett verschließen sie ihr Herz, aus ihrem Munde
kommt nichts als Anmaßung. Sie bringen uns zu Fall mit ihren Blicken.
Ich aber werde sehen dein Angesicht in Gerechtigkeit, wenn ich erwache.“

Abendsegen | Donnerstag, 11. März 2021

In den Pandemie-Zeiten braucht das Zusammen-Leben Disziplin, Toleranz und Kreativität. Die Berliner Schriftstellerin Katharina Hacker hat sich darüber Gedanken gemacht:
„Weiß einer mehr, ist er überlegen, und sie ist es auch, wenn sie mehr weiß. Ob man deswegen den anderen zu sagen hat, wo es langgeht, ist die nächste Frage. Manchmal ist es am besten: wo Gefahr droht, wo schnell eine Entscheidung fallen muss, weil alles Zögern zum Schlimmeren führt.
Oft muss man nichts abwenden und nicht verhindern, aber zusammen sind alle matt, und eine muss die Form geben, damit es weitergeht – ein Lied anstimmen, zu Tisch rufen, das Spiel eröffnen, zum Spaziergang treiben…einer muss bei Wind die Drachen verteilen, einer die Frage stellen, was sich die anderen vom kommenden Jahr wünschen. Es können auch zwei oder drei sein. Die Zeremonien bedürfen der Zeremonienmeister, und das Leben auch, wo es im Alltäglichen doch zwischendurch glanzvoll sein soll. Glanz wird unterschätzt.“

Unser Vater, wir haben uns daran gewöhnt, einander nur auf Abstand zu grüßen, aber wir sehnen uns nach einem Händedruck, nach einer Umarmung. Schenke uns einen stärkenden Schlaf.

Quelle: Katharina Hacker, Darf ich dir das Sie anbieten ?, Berenberg Verlag, Berlin 2019, o.S.

Abendsegen | Mittwoch, 10. März 2021

Die Steigerung von „vielleicht“ heißt „viel leichter“. Vielleicht wird alles viel leichter, wenn wir
kräftiger hoffen, nach dem uns dieses Jahr einige Herausforderungen beschert hat. Das Wortspiel von „vielleicht“ und „viel leichter“ gefällt mir, weil wir lernen, dass nicht alles planbar ist, dass es Unsicherheiten im Leben gibt. Unvorhergesehenes geschieht.Die tollsten Versicherungen und Absicherungen nehmen uns das Leben nicht ab. Voriges Jahr las ich, im chinesischen Wuhan tobe ein Virus.. Aber – dass mir es je nahe käme? Nein! Es gibt Fachleute, die irgendwann mit dem Ausbruch einer weltweiten Virus-Pandemie rechneten. Aber das Leben ist kompliziert, wer kennt alle Möglichkeiten dieser Welt. Verlassen kann ich mich vor allem auf das Hier und Jetzt. Wenn es vielleicht einmal viel leichter wird, wie wunderbar!

Im Matthäus-Evangelium sagt Jesus: „Sorgt euch nicht um Euer Leben1 Wer von euch vermag durch Sorgen seiner Lebenszeit auch nur eine kurze Strecke hinzufügen?“ Ob wir es lernen können: gelassene Zuversicht, heiteres Vertrauen?

Unser Vater, halte mit deinem Segen deine Hände schützend über uns in dieser Nacht! Wecke morgen wieder die Kräfte zum Guten in uns.

Abendsegen | Dienstag, 9. März 2021

„Gott ist nicht Mann. Gott ist nicht Frau. Gott ist Liebe.
Gott ist nicht Europäer. Gott ist nicht Amerikaner, er ist nicht Afrikaner und auch nicht Asiate.
Gott ist Liebe. Was aber heißt Liebe?
Ein Bauer saß mit einem anderen Bauern in einer Dorfkneipe und trank, beide schwiegen. Als sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: „Sag, liebst du mich oder liebst du nicht?“ Jener antwortete: „Ich liebe dich sehr“. Aber er sprach wieder: „Du sagst, ich liebe dich und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wieder wie zuvor.
Das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfnis zu spüren und ihr Leid zu tragen.“
So erzählt es Kurt Marti, früherer Pfarrer am Berner Großmünster.

Der Friede Gottes erfülle und beschütze uns in der kommenden Nacht! Er segne und behüte uns.
Er stärke uns in Freude und Schmerz, in Weinen und Lachen.

Quelle: Kurt Marti, Gottesbefragungen, Theologischer Verlag Zürich 2020, 164f.

Abendsegen | Montag, 8. März 2021

Seit dem 8. März 1921… wird jährlich der Internationale Frauentag gefeiert. Als Kirchenmann, will ich nur eine Beobachtung hervorheben: Frauen in Regierungsverantwortung haben ihre Länder aufmerksamer, klüger und mit weniger Toten durch die Krise gesteuert: Erna Solberg in Norwegen, Sanna Marin in Finnland, Matte Frederiksen in Dänemark, Jacinda Ardern in Neuseeland.
Während Trump in Amerika oder Bolsonaro in Brasilien – als Katastrophenritter sich einen Namen gemacht haben! Bolsonaros zweiter Vorname lautet „Messias“ – fürchterlich. Merkels Vorname Angela eröffnet da andere Aussichten…
Nur eine biblische Bemerkung: Fest gefügt in kirchlicher Tradition sind Jesus und die 12 Jüngern. Beim Evangelisten Lukas steht in Kapitel 8: „Jesus zog durch das Land und verkündigte das Reich Gottes. Mit ihm unterwegs waren 12 Jünger und einige Frauen: Maria, die aus Magdala, Johanna, Frau eines hohen Beamten, Susanna und andere Frauen, die ihnen mit ihrem Vermögen dienten“. Die 12 Jünger? Frauen waren es, die die Gruppe am Wandern, nein, am Laufen hielten…

Unser Vater, segne unseren Schlaf in dieser Nacht; schenke uns neue Kraft, unsere Talente zu entwickeln, Frauen wie Männer, unseren Nächsten zu Gute.

Abendsegen | Sonntag, 28. Februar 2021

In vier Wochen ist Palmsonntag, der Beginn der Osterwoche, der Geburtswoche der Kirche.
Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern – gefüllte Tage der Erinnerung an Jesu Tod und Leben.
Lieder, Bilder, Bräuche füllen die Tage. Einer wird selten gewürdigt: Der Esel. Rund um Weihnachten steht er im Rampenlicht. „Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn“, steht beim Propheten Jesaja. Ochs und Esel – die Verständigen, die wissen, was geschieht.
Man sagt, Esel seien störrisch, vermutlich, weil sie keine Fluchttiere oder Angriffstiere sind, wie Pferde. Sie bleiben bei Gefahr stehen. Wir sagen, jemand sei stur wie ein Esel, dabei ist der Esel nicht aggressiv und läuft nicht weg. Ein Machtsymbol ist der Esel nicht. Er arbeitet gut und sagt „jjaah“…So reitet Jesus am Palmsonntag in Jerusalem ein auf einem Esel, nicht aggressiv, nicht fluchtbereit, sehr eigensinnig. Machtsymbole bestätigen ihn nicht– seine machtvollen Taten erregen Aufsehen. Er hatte schon zuvor einiges auf den Kopf gestellt.

Unser Schöpfer, wir bitten um einen stärkenden Schlaf und lass uns lernen in Krisen von den Eseln, nicht aggressiv, nicht fluchtbereit, aber eigensinnig zu bleiben und zu werden.

Abendsegen | Sonnabend, 27. Februar 2021

Einen Augenblick bitte! Haben Sie einen Augenblick Zeit? Das Auge für einen kurzen Moment auf etwas richten. Eine kurze Zeitspanne, in der wir etwas erblicken oder entdecken. Zurzeit wird ein Augenblick zum langen Blick in die Augen des Mitmenschen. Der Augen-Blick hat mit dem Tragen der Maske neue Bedeutung erhalten. Wir sehen von unseren Mitmenschen „nur“ einen Augenblick.
Wenn die Augen nur das sind, was wir sehen vom Gesicht der anderen, dann lesen wir die Gesichtszüge des Gegenübers in den Augen. Das ist herausfordernd. Mir ist schon passiert, dass ich jemanden erst auf den zweiten Blick erkannt habe. Augenblicke dürfen so auch mal länger dauern.

Mit Masken im Gesicht erhalten die Augen eine größere Bedeutung. Oft kann ich erkennen, ob ein Lächeln die Augenwinkel umspielt oder ob Tränen rollen. Ich schaue die Menschen mit anderen Augen an. Wunderbar sagt es die Bibel: „Deine Augen sind Tauben“. Tauben sind so beweglich! Genießen wir jeden Augen-Blick, jede Blick-Botschaft, jeden Augen-Aufschlag. Ich wünsche Ihnen unvergessliche und berührende Augenblicke.

Unser Vater, segne unser Augen-Schließen und schenke uns einen ruhigen Schlaf. Weite morgen unseren Blick für die, die wenige Augen-Blicke empfangen!

Abendsegen | Freitag, 26. Februar 2021

Es ist Freitag-Abend und die jüdischen Gemeinden haben den Schabbat mit Gebeten, gutem Essen und dankbaren Liedern begonnen. Diese Lieder sprechen auch von bewegenden mit Konflikten mit Gott. Der Beter zieht alle Register, um seinen Schöpfer endlich zur Hilfe zu bewegen!
Psalm 30 nach der Übersetzung meines Berliner Kollegen Lorenz Wilkens

Zu Dir rief ich, o Gott, und du hast mich geheilt.
Du hast mich aus der Unterwelt geholt, mein Leben mir zurückgegeben von denen, die hinab müssen.
So singt dem Herrn, die ihr ihn liebt! Rühmt sein heiliges Gedenken!
Sein Zorn – er dauert einen Augenblick, ein Leben sein Erbarmen.
Am Abend herrscht das Weinen, am Morgen kommt der Jubel.
Du stellst mich, Herr, auf hohe Berge.
Doch als du dein Angesicht verbargst, kam über mich Entsetzen!
Mein Gott, mein Herr, ich rief zu dir und flehte:
Was nützt dir denn mein Blut, wenn ich in die Grube fahre? Könnte denn Staub dich preisen und deine Traue loben? Höre mich, o Herr, erbarme dich und komm zu Hilfe!
Mein Herr und Gott, ich will dich rühmen allezeit!