Worte auf den Weg | Sonnabend, 23. März 2019

Die beiden Frauennamen Pua und Schifra sind in der blitzenden glitzernden Medienwelt kaum bekannt, zwei ungehörte Namen, aber unerhört ist die Geschichte, die sich hinter ihnen verbirgt. Sie spielt in der Bibel, im alten Ägypten. Die Israeliten, wichtige Wanderarbeiter im Wohlstandsreich am Nil, haben das Recht bekommen, sich überall anzusiedeln, das mächtige Reich braucht sie als Fachkräfte -und sie werden mehr und mehr. Der Herrscher, der Pharao, bekommt Angst vor ihrer wachsenden Größe und möglicherweise ihrem Einfluss. Vielleicht kommt es zu einem Krieg und sie verbünden sich mit dem Gegner? Der Pharao beschließt, ihren Lebensnerv zu treffen, ihnen die Zukunft zu nehmen: Alle männlichen Säuglinge sollen getötet werden. Undwer soll das tun? Die Hebammen. Pua und Schifra sind Hebammen.

weiterlesenWorte auf den Weg | Sonnabend, 23. März 2019

Worte auf den Weg | Freitag, 22. März 2019

Zwei sehr unterschiedliche Männer diskutierten vor kurzem in der Katholischen Akademie Dresden-Meißen ein herausforderndes Thema zur Europawahl – es ging um das Motto: „ Ich hasse nicht zurück!“ Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg, und Gregor Gysi, Spitzenstimme der europäischen Linken, saßen dabei auf dem Podium. Das Thema brachte Gysi zu der bewegenden Formulierung: „Meine Feinde lieben, wie Jesus gesagt hat, kann ich nicht. Aber: Ich hasse nicht zurück, lieber Herr Bischof .“

„Du sollst deinen Feind lieben“, diesen Satz hat Jesus uns ins Stammbuch geschrieben. Er hat ihn selbst gelebt wie auch viele andere tapfere Menschen, die in dieser Haltung starben. Jede und jeder von uns weiß, wie schwer uns schon Vergebung fällt, sogar gegenüber Menschen, die wir gern haben. Wie soll das dann gehen und aussehen: die Feinde lieben. Meine Gefühle sind gegenüber dem Feind ganz anders als gegenüber dem Freund. Ich lüge mir etwas vor, wenn ich so tun würde: Ich habe Sympathiegefühle für dich, komm her, lass dich umarmen!

weiterlesenWorte auf den Weg | Freitag, 22. März 2019

Worte auf den Weg | Donnerstag, 21. März 2019

Ein Leitwort des Europawahl-Kampfes heißt: Gerechtigkeit! Zu Recht, denn die Menschen wollen wissen, welche Gestalt Gerechtigkeit, Großzügigkeit und Solidarität annehmen müssen, damit wir eine menschliche Gesellschaft bleiben. Gerechtigkeit – an eine biblische Tradition will ich erinnern, die aufstrahlt in folgendem Wort: „Ein Gerechter ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht ohne Wolken, wenn vom Glanz nach dem Regen das Gras aus der Erde wächst. “ Das heißt: Gerechtigkeit macht schön!

Die Bibel hat den Mut, Schönheit und Gott nicht zu trennen: „Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes, Licht ist sein Kleid.“ Die Schöpfung ist schön, die bezaubernde Schönheit der Rosenblüte, die Blütenblätter des Storchenschnabels, das tiefe Blau der Clematis, sie alle sind schön im Zusammenspiel von Regen und Licht. Das Zusammenspiel macht auch die Schönheit zwischen Menschen aus: „Brich dem Hungrigen dein Brot, dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte.“ Gerechtigkeit lässt Menschen, die teilen, schön werden…

weiterlesenWorte auf den Weg | Donnerstag, 21. März 2019

Worte auf den Weg | Mittwoch, 20. März 2019

In wenigen Wochen ist sie da, in diesem Jahr mehr beachtet als sonst, in der Vergangenheit reichlich unpopulär, dabei enorm wichtig – die Europawahl am 26. Mai. Eine Stimmung genereller Gereiztheit bildet den Hintergrund für antieuropäische Propaganda.
Verdrießlichkeit, das Gefühl, das alles schlechter wird, lautstarke Misstrauensbewegungen wollen die öffentliche Stimmung regieren. Fremdenhass plagt den Kontinent. Nun ist die Geschichte der Deutschen aus den unterschiedlichsten Herkünften zusammengewürfelt, doch ständig ertönt der Ruf nach Einheit und Reinheit und (Feinheit?) der Nation.

weiterlesenWorte auf den Weg | Mittwoch, 20. März 2019

Worte auf den Weg | Dienstag, 19. März 2019

In der kirchlichen Tradition sind die gegenwärtigen Wochen bis zum Osterfest eine Zeit des „Fastens“. Das Fasten hat sich längst von seiner christlichen Begründung gelöst. Fasten ist im öffentlichen Gespräch; Apothekenzeitschriften werden zu Lebensratgebern; Fasten gilt als Heilmittel und wichtige Form der Gesundheitsvorsorge.

Ein Blick in die Bibel lehrt uns, dass auch Jesus aus Nazareth gefastet hat, nur einmal, dann aber gleich richtig: 40 Tage fastete er! Warum tat er sich das an, ein ganz gewöhnlicher Synagogengänger? Der nie die geistliche Versenkung suchte, sondern immer da auftauchte, wo etwas los war. Er war beileibe kein Kostverächter, „Fresser und Weinsäufer“ nannten ihn einige im Lande. Dann ließ er noch die Jünger Ähren abreißen für ein pastorales Elementarmüsli auf freiem Felde, und das alles am Schabbat, an dem ernten ja nicht erlaubt, zumindest umstritten war. Er begann im Übrigen sein öffentliches Wirken mit 600 Litern gutem Wein bei einer dörflichen Hochzeit, so weiß es das Johannesevangelium. Hätte es nicht auch ein einfacher Landwein getan?

weiterlesenWorte auf den Weg | Dienstag, 19. März 2019

Worte auf den Weg | Montag, 18. März 2019

Die Großmutter ist mit dem Enkelkind auf dem Spielplatz. Sie ist eine aufmerksame Person. Immer wieder blickt sie von ihrem Buch auf und vergewissert sich: die Enkelin buddelt im Sandkasten. Wieder ein Blick. Jetzt ist sie plötzlich weg. Auf der Rutsche ist die Kleine nicht und auch nicht dort hinten an der Schaukel. Jetzt wird die Großmutter unruhig. Rasch durchkämmt sie den Spielplatz. „Haben sie mein Enkelkind gesehen, lange Haare, roter Pulli?“ Die anderen Erwachsenen schütteln den Kopf. Jetzt kommt Panik in ihr auf. Das Tor auf der anderen Seite des Spielplatzes ist halb geöffnet, dahinter die vierspurige Straße. Sie läuft los, erreicht das Tor. Nichts, keine Enkelin. Vor ihrem Auge entstehen die schrecklichsten Bilder. Scharfe Autogeräusche…Da zupft es von hinten an ihr, sie dreht sich um. Hinter ihr steht, mit großen Augen, die Kleine. Gott sei Dank! In einem Moment fällt ihr die Last vom Herzen.

weiterlesenWorte auf den Weg | Montag, 18. März 2019

Worte für den Tag | Sonnabend, 7. April 2018

Wochenende, das heißt auch Wochenmarkt. Wer sich auf den Wochenmarkt begibt, begegnet vielen Menschen und muss sich zuerst entschleunigen – alles ist dichter und langsamer, ein freundliches Gedränge. Viel Sinnliches und Erquickendes, rasch mit der Gießkanne über die Paprika und sie leuchten wie damals in der Budapester Markthalle. Es gibt tolle Angebote neben lockenden Avocados und hinreißend dunkel-hell-braunen Steinpilzen: „Die heilende Kraft der Steine“ und das „Finde-dich selbst“-Rezeptbuch. Marktmenschen – die einen preisen Güte und Zusammensetzung des Endiviensalats an und den Säuregehalt der besten Pinovaäpfel, die andern erzählen Geschichten: Wie aus dem misslungenen Apfelstrudel ein erstklassiger Likör wurde! Bekenntnisse, Schwüre und Beschwörungen und Heilsversprechen – „mit diesem frisch gepressten Leinöl wird alles heil!“ und Vertraulichkeiten: „Herr Doktor! Heute nur für Sie…! Viel Religion steckt im Wochenmarkt und Menschlichkeit. Gegen die kühle Eleganz großer Kaufhäuser ist dieser Ort ein schutzloses Paradies unterm offenen Himmel.

weiterlesenWorte für den Tag | Sonnabend, 7. April 2018

Worte für den Tag | Freitag, 6. April 2018

Ein kleiner vergilbter Schein flattert auf den Küchenboden, als ich das Buch aus der Bibliothek in die Hand nehme und sich die Seiten dabei auffächern.  Boarding Pass, lese ich und erspüre mit den Fingern auf der Rückseite den Magnetstreifen, Economy, Zone 3, Sitz 21A, 28. März, no Smoke, Tarom, Aha, das Kärtchen wird ein wenig älter sein, denn eine Jahreszahl steht keine da, dafür der Name der Frau, die vor Zeiten auf dem Sitz 21A Platz genommen hat: Petra, und ein Doppelname ohne Bindestrich. Und dann entdecke ich das Wort, das Zauberwort, das in der Mitte des kleinen Abschnitts steht, das mich augenblicklich am verborgenen Geheimnis der Reise teilnehmen lässt: Kathmandu.

Kathmandu – wie hat sie dort gelebt, wen hat sie dort getroffen? Wie lange ist sie in dort geblieben? Das ruft etwas in mir wach, mehr, als ein Roman oder ein Film vermag. Kathmandu…Es gibt Wörter, da klingen Geheimnisse an: Casablanca, Tadj Mahal, Czernowitz oder Jerusalem. Es gibt präzise Bilder vom Mars, da ist jede Wölbung der Oberfläche zu sehen. Der Planet soll unserem ganz ähnlich sein…Wieder ein Mythos dahin.

weiterlesenWorte für den Tag | Freitag, 6. April 2018

Worte für den Tag | Donnerstag, 5. April 2018

Fest der Schafschur auf dem Karmelgebirge im Norden Israels – unruhige Herden, Geschrei der Hirten und Scherer, Wüstenstaub, Geblöke, Wollberge, siedende Fleischkessel – ein Festtag! Eingeladene und Nichteingeladene sind da, auch desolate Gestalten, zehn Männer eines umherziehende Bandenführers namens David, König will er oder soll er werden, dieser David. Seine Leute verlangen ein Entgelt vom Fest, haben sie doch die Herden beschützt, vielleicht ein kleines Schutzgeld?

Der Herr des Festes heißt Nabal, reich, plump, dumm; seine Frau Abigajil. Von ihr  sagt die Bibel, sie sei von „klugem Verstand und schöner Gestalt.“ Als Nabal die Leute Davids boshaft vom Fest jagt, ist Abigajils Stunde gekommen: Sie erkennt die tödliche Gefahr einer möglichen Rache Davids an ihrem Ehetölpel – ohne ihn zu fragen, belädt sie blitzschnell einige Esel mit einer atemberaubenden Palette feinster Delikatessen – 200 Brote, 2 Schläuche Wein, 4 zubereitete Schafe, 5 Maß Röstkorn, 100 Rosinen- und 200 Feigenkuchen – für einen beleidigten Herrn die rechten Präsentkörbe…Sie zieht ihm entgegen und beide treffen unvermittelt aufeinander: Der verwegen-verführerische Jüngling David samt Soldateska, und die Schöne Abigajil mit dem mobilen Büffet. Schnell nimmt sie alle Schuld auf sich, ihr Mann Nabal ist eben wie schon der Name sagt einfach zu dumm. Wäre sie da gewesen, die Zurückweisung wäre nie, nie passiert. Und schon ist der Umschwung geschafft! Jetzt beginnt sie zu spielen, diplomatisch, redegewandt, klug. Er, David,  wolle schließlich König werden, was Gott doch schon beschlossen hat. Er muss dieser Berufung gerecht werden, sich nicht als Wüstenraubautz aufführen ohne Manieren! Abigajil versteht Davids Lage besser als er sie selbst. So eine entwaffnend charmante Politikberatung samt Königszusage hat er noch nie erlebt. Und so lässt sie ihn auf den von ihr entfalten Weg zum Thron gleiten – ob er es gemerkt hat? Und die exzellente Diplomatin schärft ihm zum Schluss ein: Geht das alles gut und er wird König, möge er sich am Ende auch an sie erinnern… Das allerdings kritisieren die jüdischen Schriftgelehrten scharf: Sie war zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet!

Ach, Diplomatie, Anmut, Klugheit, Politik – was biblischen Frauen doch alles gelingt! Nur biblischen…?

Worte für den Tag | Mittwoch, 4. April 2018

Einer der wirkungsvollsten Prediger der Botschaft von Jesus von Nazareth, der Apostel Paulus, preist seine Botschaft, sein Evangelium als eine verrückte Idee an, die viel klüger sei als das, was sonst auf der Welt als klug gilt. Er beschreibt dabei sich selbst als Narren und zwar reichlich ironisch und sarkastisch wie es sich Christen heute nicht mehr trauen. Und die Tradition der Narren geht weiter: Dietrich Bonhoeffer trug sein Lieblingsbuch immer mit sich: „Don Quichote de la Mancha“, ein Buch über einen völlig verrückt gewordenen spanischen Adligen, vor 300 Jahren geschrieben. Don Quichote hatte den Verstand verloren, weil er zu viele Ritterromane gelesen hatte. Nun zieht auch er als Ritter durch die Lande – dabei ist das Rittertum längst vorbei – ein umgestülpter Topf dient ihm als Helm und ein alter Klepper als Schlachtross. Sein Knappe Sancho Pansa hat den Wahnsinn seines Herrn zwar längst durchschaut, zieht aber dennoch treu mit.

Don Quichote und Sancho Pansa sind Narren. Ihre Abenteuer sind wilder Slapstick ohne Tiefgang. Und doch entwickeln die starken Bilder dieser Geschichte eine bezwingende Kraft.

weiterlesenWorte für den Tag | Mittwoch, 4. April 2018