Abendsegen | Mittwoch, 05.08.2015

Was sage ich einem Menschen, der am Ende ist? Was sage ich unter vier Augen in seine Sorgen? Am Grab der Liebe in seine Einsamkeit? Am Krankenbett in seine Schmerzen? Sage ich: Kann man nichts machen! Erwischt jeden mal? Nur nicht den Mut verlieren! Nimm’s nicht so schwer! Sage ich nichts als das?

Ich sollte doch kennen den einen und einzigen Namen, der uns gegeben ist unter dem

Himmel. Ich kenne ihn auch – und doch – wie schwer ihn auszusprechen, ihn zu bitten, ihn zu rufen! Vor Gott zu sprechen über das, was nicht zu verstehen ist.

Da gibt’s ein ganzes Fach im Bücherschrank über den Tod und die allerletzten Dinge – nein, ich bin meiner Sache nicht sicher, was das Ende betrifft. Lass mich glauben, mein Gott, dass ganz am Ende nicht der Schmerz steht, sondern du. Dass wir den Tag loben lernen vor dem Abend, weil du gesagt hast: Ich lebe, und auch ihr sollt leben!

Unser Vater, dein tröstender Segen, sei mit allen Kranken, Verletzten und Trauernde dass ihr Leid sich beruhigt und das Dunkel wieder hell wird.

Abendsegen | Mittwoch, 22.07.2015

Ich war mal zur Vorbereitung einer Beerdigungsfeier bei einer mir unbekannten Frau zum Tee eingeladen. Auf dem Tisch, an dem wir Platz nahmen, lagen zwei Gedecke mit Tassen, kleinen Tellern und Stoffservietten. In der Mitte ein weiterer kleiner Teller mit drei Sorten Biskuits. Von jeder der drei Sorten lagen genau zwei Stück akkurat neben einander. Ich schaute dieses Arrangement an und wusste augenblicklich, wie viele Kekse ich essen durfte.

Es gibt eine Enge der viel zu kleinen Gedanken, es gibt eine Enge der viel zu kleinen Wünsche, der viel zu kleinen Tische, Teller und Stoffservietten. Und es gibt einen Gott, der weit und breit auf keine Etikette schaut und uns alles anbietet und zutraut – auch mehr Biskuits…

Gott, der Himmel und Erde, Sonne, Mond und alle Sterne geschaffen hat, möge weithändig seinen Segen für Sie verschwenden in einen erholsamen Schlaf

Abendsegen | Dienstag, 21.07.2015

Die erste Frage in der Bibel war die Frage Gottes an Adam: „Mensch, wo bist Du?“

Was? rief einmal ein großer Gelehrter, Gott wusste nicht, wo Adam sich befand? Nein, sagten die anderen, so darf man die Frage nicht stellen: Gott wusste es, Adam wusste es nicht! Deshalb muss der Menschen immer danach trachten, seinen Ort, seine Aufgabe unter den Menschen zu kennen, seinen Platz in der gemeinsamen Lebensgeschichte. Seine Aufgabe ist es, nach einem langen Tag sich die Frage zu stellen, wo stand ich heute, wo werde ich morgen stehen – im Angesicht Gottes und gegenüber, neben, hinter oder an der Seite meines Nächsten?

Gott sei Dank, dass wir diese Frage stellen dürfen!

Gott, der seine Geschöpfe zu Frage und Antwort geschaffen hat, mögen Sie mit einem lebensstärkenden Schlaf segnen – dass Sie morgen eine gut ausgeschlafene Antwort geben können.

Abendsegen | Montag, 15. November

Keith Jarrett ist ein wunderbarer Pianist. Sein weit ausgreifendes Spiel am Piano – nie scheint es aufzuhören. Die Musik ist endlos und hell wie das Licht eines langen Tages. Zu diesem Licht sagt Keith Jarrett:
„Die Worte eines Liedes lauten: ‚Dies kleine Licht, das ich habe, will ich leuchten lassen’.

Ich schlage vor, dass wir uns weniger mit der Frage befassen sollten, wo das Licht herkommt, sondern dankbar zu sein für das Geschenk des Lichtes, indem wir ‚es leuchten lassen“. Diese ankbarkeit wäre eine Frömmigkeit, die sich in unserem Leben und Arbeiten auswirken ird.“
Gott segne Sie mit einem ruhigen Atem, mit befreienden Träumen und einem Morgen voller Licht.